Wenn Sie an Fachkräftemangel denken, denken Sie vermutlich an Pflege, IT oder Handwerk. Aber die größten Zuwächse bei unbesetzten Stellen verzeichnen zwei Berufe, die kaum jemand auf dem Zettel hat: Fleischereifachverkäufer und Erdbewegungsmaschinenführer — also Baggerfahrer. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) am Institut der deutschen Wirtschaft, veröffentlicht am 25. März 2026.

Die Zahlen: Rekordwerte bei zwei überraschenden Berufen

Fleischereifachverkäufer führen die Statistik an: 4.665 offene Stellen konnten 2025 im Durchschnitt nicht mit qualifizierten Bewerbern besetzt werden. Das sind gut 40 Prozent mehr als im Vorjahr — der stärkste prozentuale Zuwachs aller Berufsgruppen in Deutschland. KOFA-Ökonom Jurek Tiedemann nennt es „so viele wie nie zuvor“.

Auf Platz zwei: Erdbewegungsmaschinenführer. Über 1.500 Stellen blieben 2025 unbesetzt — ein Anstieg von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Fachkräfte arbeiten im Straßen- und Hochbau, bei Infrastrukturprojekten und im Tiefbau. Ohne sie steht jede Baustelle still.

In absoluten Zahlen liegt der Mangel woanders: Bauelektrik (16.200 unbesetzte Stellen) und Altenpflege (15.200) führen weiterhin die Gesamtstatistik. Aber kein anderer Beruf hat eine so dramatische Beschleunigung erlebt wie die Fleischtheke und der Baggersitz.

Warum gerade Fleischereifachverkäufer?

Die Ursache ist eindeutig: Demografie. 38 Prozent aller Fleischfachverkäufer in Deutschland sind älter als 55 Jahre. Sie gehen in den nächsten Jahren in Rente — und es kommt kaum Nachwuchs nach. Die Beschäftigtenzahl in diesem Beruf ist zwischen 2017 und 2024 bereits um 19 Prozent gesunken.

Die Gründe für den fehlenden Nachwuchs sind vielfältig: die Arbeitszeiten (früh morgens, samstags), das körperlich anspruchsvolle Stehen an der Theke, die im Vergleich niedrige Vergütung und — nicht zu unterschätzen — ein Imageproblem. Fleischfachverkauf gilt bei jungen Menschen nicht als attraktiver Beruf. Hinzu kommt der gesellschaftliche Trend zu weniger Fleischkonsum, der den Beruf in der öffentlichen Wahrnehmung zusätzlich unter Druck setzt.

Warum Baggerfahrer?

Erdbewegungsmaschinenführer sind das Rückgrat jeder Infrastrukturmaßnahme. Straßenbau, Schienenausbau, Wohnungsbau, Energiewende — alles braucht Baggerfahrer. Der Bedarf steigt durch politisch gewollte Investitionsprogramme: Netzausbau, Schienenmodernisierung, Brückeninstandsetzung. Gleichzeitig altert auch hier die Belegschaft, und die Ausbildungskapazitäten halten mit der Nachfrage nicht Schritt.

Im Bauhauptgewerbe insgesamt meldet fast jedes dritte Unternehmen (30,4 Prozent) weiterhin einen Fachkräftemangel — trotz konjunktureller Abkühlung. Das zeigt: Der Mangel ist strukturell, nicht konjunkturell.

Brauchen wir einen höheren Mindestlohn?

Die Frage ist berechtigt, greift aber zu kurz. Ein höherer Mindestlohn würde die Attraktivität der Berufe erhöhen — ja. Aber der Fachkräftemangel bei Fleischereifachverkäufern liegt nicht primär am Lohn. Es fehlen schlicht Menschen, die den Beruf erlernt haben. Der demografische Wandel ist keine Lohnfrage: Wenn ein Drittel der Belegschaft in Rente geht und kein Nachwuchs da ist, hilft auch ein höherer Lohn nur begrenzt.

Laut dem DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 berichten 63 Prozent der Unternehmen von steigenden Arbeitskosten als Folge des Fachkräftemangels. Die Löhne steigen also bereits — aber die Stellen bleiben trotzdem offen. Das Problem ist nicht der Preis, sondern die Pipeline: Es gibt nicht genug ausgebildete Leute.

Die drei echten Hebel

1. Ausbildung stärken

Die Zahl der Ausbildungsverträge in Lebensmittelberufen und Baumaschinenführung muss steigen. Das erfordert bessere Arbeitsbedingungen, moderne Ausbildungsinhalte und aktive Nachwuchswerbung. Betriebe müssen investieren — in Image, Gehalt und Arbeitsplatzqualität.

2. Internationale Fachkräfte

In vielen Ländern gibt es gut ausgebildete Lebensmittelfachkräfte und Baumaschinenführer, die in Deutschland dringend gebraucht werden. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz bietet die rechtliche Grundlage — aber der Prozess (Berufsanerkennung, Visum, Sprachkurs, Integration) ist komplex und erfordert professionelle Begleitung.

3. Quereinsteiger qualifizieren

Modulare Ausbildungen und verkürzte Qualifizierungsprogramme können helfen, Quereinsteiger schneller in Mangelberufe zu bringen. Die Anerkennungspartnerschaft — seit November 2024 in Kraft — ermöglicht es ausländischen Fachkräften sogar, bereits während der Anerkennung zu arbeiten.

Das Gesamtbild: 369.000 offene Stellen

Insgesamt ist die Fachkräftelücke in Deutschland auf 369.000 offene Stellen gesunken — knapp ein Viertel weniger als 2024. Klingt nach Entspannung, ist es aber nicht. KOFA-Ökonom Tiedemann warnt: Die Wirtschaft stagniert, Unternehmen schreiben weniger Stellen aus und besetzen Positionen wegen unsicherer Erwartungen nicht immer nach. Komme es zu einem Aufschwung, sei mit einem wachsenden Fachkräftemangel zu rechnen.

Das IAB prognostiziert, dass das Erwerbspersonenpotenzial in Deutschland erstmals um 40.000 Personen sinken wird — auf 48,62 Millionen. Der Hauptgrund: Die Babyboomer gehen in Rente. Dieser Trend ist nicht umkehrbar. Er ist berechenbar, vorhersehbar und trotzdem haben viele Branchen noch keine Strategie dagegen.

Was das für Arbeitgeber bedeutet

Wenn Sie Stellen nicht besetzen können — ob an der Fleischtheke, auf der Baustelle oder in der Pflege — brauchen Sie eine Strategie, die über Stellenanzeigen hinausgeht. Der klassische Weg (Anzeige schalten, warten, hoffen) funktioniert in Mangelberufen nicht mehr. Die Fachkräfte, die Sie suchen, sind entweder nicht da oder arbeiten bereits woanders.

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Quelle: KOFA/Institut der deutschen Wirtschaft, Analyse vom 25. März 2026. DIHK-Fachkräftereport 2025/2026. IAB-Arbeitsmarktprognose 2026.

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